Sonntag, 25. Juni 2017

Lübecker Climate Märtyrer?

"Climate Märtyrer"? So jedenfalls zieht anscheinend ein unbenanntes deutsches Bistum die Verbindung zu den vier Lübecker Märtyrern, derer wir heute gedenken.

Nee, Leute, das ist nicht zum Lachen. Mir sitzt die Wut gerade sehr viel näher.

Aber beginnen wir mit dem wirklich Wichtigen, und das sind jene vier Männer, die bekanntwurden als die "LÜBECKER MÄRTYRER":

Johannes Prassek, kath. Priester an der Herz Jesu Kirche in Lübeck, geb. 1911 in Hamburg-Barmbek, hingerichtet am 10. November 1943 durch das Naziregime im Gefängnis Hamburg-Hostenglacis.

Hermann Lange, kath. Priester an der Herz Jesu Kirche in Lübeck, geb. 1912 in Leer/Ostfriesland, hingerichtet am 10. November 1943 durch das Naziregime im Gefängnis Hamburg-Hostenglacis.

Eduard Müller, kath. Priester an der Herz Jesu Kirche in Lübeck, geb. 1911 in Neumünster, hingerichtet am 10. November 1943 durch das Naziregime im Gefängnis Hamburg-Hostenglacis.

Karl Friedrich Stellbrink, evangelischer Pastor an der Lübecker Lutherkirche, geb. 1894 in Münster, hingerichtet am 10. November 1943 durch das Naziregime im Gefängnis Hamburg-Hostenglacis.

Sie alle hatten sich in ihren Predigten und auch außerhalb ihrer Kirchen gegen das Naziregime gestellt.

Von Kaplan Prassek sind die Worte überliefert
"Aber irgendjemand muss doch die Wahrheit sagen!"
als ihn Gemeindemitglieder nach einer wohl sehr offenen Sonntagspredigt warnen wollen, dass er sich in Gefahr begäbe und vorsichtig sein solle.

Sie alle sollten ihre "Offenheit" mit Verhaftung, Folter, Gefängnis und letztlich dem Leben bezahlen.

An sie zu erinnern, gerade heute, am Tage ihrer Seligsprechung (der drei kath. Geistlichen), ist gut und  wünschenswert.

Es ist das "Wie", das aufstößt:

Da stellt unser unbenanntes Bistum ein Bild online, mit einer in den Himmel gereckten Hand, die ein Schild hält mit der Aufschrift "Climate Justice Now" (= Klimagerechtigkeit jetzt). Noch zwei weitere Schilder sind ausschnittweise zu sehen, auf einem erkennt man die Worte "Save our planet". Eine Demo, ganz klar. Und alles, was dem Bistum als Text zu den vier Märtyrern einfällt, ist die Feststellung, sie seien aufgrund ihrer Haltung gegen das Naziregime ermordet worden,  heute aber habe jeder das Recht auf freie Meinungsäußerung, und es folgt die abschließende Frage an uns, die Leser, in welchem Bereich wir stärker Stellung beziehen sollten.

"Thema verfehlt. Setzen - sechs!"
möchte man rufen.

Man sage mir bitte, wie viel Märtyrertum der heutige Teilnehmer einer "Climate Justice Now"-Demo zu erwarten hat? Ungefähr ebenso viel wie der Teilnehmer einer Demo "Ehe für alle" oder  "Mein Bauch gehört mir".

Wenn es bei solchen Demos überhaupt Märtyrer gibt, dann sind es unsere Polizisten, die sich von Menschen, die angeblich für Frieden und Toleranz demonstrieren, teils bis hin zur Invalidität niederknüppeln lassen müssen. Und was erhalten sie, wenn sie sich diesem Mob zu unser aller Verteidigung entgegenstellen? Eine miese Bezahlung und eine noch miesere Rente - so sie diese denn erleben.

Um aber zu unserem unbenannten Bistum zurückzukehren:

Es hätte interessanterweise nur eine winzige Veränderung gebraucht, und man hätte stattdessen den Beitrag kommentieren können mit
"Treffer! Passt!"
Man stelle sich vor, die Hände hielten keine Plakate innerhalb des akzeptierten Meinungssystems der Tolerantissima hoch, sondern es handele sich um Plakate einer "Pro Life"-Demo, wie sie jährlich in Berlin stattfindet, unter dem Titel "Marsch für das Leben".

Sicher, auch dieser Vergleich würde noch ein wenig hinkend daherkommen, denn auch die Teilnehmer einer solchen Demo setzen sich - noch - nicht der Verfolgung des Staatsapparates aus. Sieht man sich jedoch einmal an, welch hasserfüllte und gewaltbereite linke *räusper* Bürgerwehr ihnen auf solchen Demos entgegentritt, dann braucht es durchaus eine Menge Mut, hier Stellung zu beziehen.

Oder wie jemand hierzu heute so richtig sagte:
"Das eigentliche Ärgernis ist doch das "Ausweichen" der mutigen "Widerständler" in die schmerzfreie und folgenlose Bekundung gesellschaftlicher Mehrheitsmeinungen. Wirklich erschreckend ist, dass dies kaum noch jemandem auffällt."
 Ich habe für heute fertig.

Freitag, 16. Juni 2017

Fronleichnam und die Radfahrer

Fronleichnamsprozession - gehen da eigentlich noch Leute mit? Ich meine nicht die in den paar deutschen Großstädten, wo man bequem in der Anonymität verschwinden kann, sondern jene Prozessionen in kleineren und mittelgroßen Städten, wenn man sich der Peinlichkeit aussetzen muss, von Freunden oder Kollegen dabei erkannt zu werden, wie man hinter einem Priester durch die Straßen läuft, der unter einem Baldachin eine Oblate vor sich her trägt.

Kannste eigentlich ja nicht mehr bringen, oder? Oder nicht? Oder doch?

Also, bei uns in der City (nicht die große City mit dem schnieken neuen Einkaufscenter, das die restliche Innenstadt aussterben lässt, sondern die kleinere City gleich nebenan, die früher mal eigenständige Stadt war), haben wir das gestern gemacht.

Da saßen wir auf unseren Bänken mitten auf der - abgesperrten - Straße vor dem Theater in der heißen Sonne, Alte und Junge (ja, gar nicht mal so wenige Junge, auch wenn die Alten überwogen), Eltern mit Kindern, die noch einmal stolz die Kleider und Anzüge ihrer Erstkommunion trugen, und außer Deutsch hörte man hier und da auch Polnisch und Spanisch.

Und vor uns wurde mit Pfarrer und Pater, Messdienern und Chor, eine Messe gefeiert.

Obwohl wir eine ansehnlich große Gruppe waren, erinnerte sich der Pfarrer doch auch an seine Jugendzeit als Messdiener, und an den damals rappelvoll gefüllten Marktplatz und die Prozession, die von dort zur Kirche führte. Heute hätten wir den Marktplatz nicht mehr gefüllt, und der Gang zur Kirche war, wie er es nannte, doch eher ein Prozessiönchen.

Also warum tut man sich das überhaupt noch an? Auch dazu hatte er etwas zu sagen.

Einerseits ginge es - wie er anhand eines vorangestellten Zitats von Charles Péguy erklärte - um das Gewohnheitstier Mensch und die Nichtakzeptierbarkeit einer "Gewöhnung" an die Eucharistie.

Ja, ich denke, das kann auch und vor allem jene treffen, die tatsächlich noch regelmäßig in die Messe gehen: Ein Empfang der Kommunion ohne ein Bewusstsein dafür, dass es hier wirklich Gott selber ist, der sich uns schenkt - ein Empfang der Kommunion quasi so ganz nebenbei, eben mal so mitgenommen, zwischen allgemeinem Händeschütteln, dem "kleinen Senfkorn" und einem genervten Blick auf den Schrägsänger nebenan.

Sich noch einmal bewusst machen, dass Gott unser Kumpan ist!

Wie, was? Kumpanei mit Gott? Ja, auf diese Übersetzung hätte ich selber kommen können:

Cum [lateinisch] = mit
panis = Brot

Der Kumpan ist also derjenige, der mit mir das Brot bricht.

Wow!

Als zweiten Grund nannte er uns den Terror und die Gewalt, die inzwischen auch in unsere Straßen eingedrungen sind, mit LKW und Messern, und die Hass und Angst säen wollen.

Dem können wir ein Zeichen entgegensetzen, indem wir stattdessen Gott auf die Straße und damit in die Welt tragen - und das an Fronleichnam ganz wörtlich.

Während wir dort saßen, kamen zweimal Radfahrer daher. Man muss sich das vorstellen: Sie fuhren auf dem nicht abgesperrten Radweg zwischen uns und der etwas erhöht gefeierten hl. Messe längs. Sie schauten weder rechts noch links, sie trugen Sonnenbrillen, Kappen, und Ohrstöpsel. Sie nahmen nichts von dem wahr, was gerade rechts und links von ihnen geschah, denn ansonsten hätten sie ja mindestens einen verwunderten Blick zur Seite geworfen. Stur geradeausblickend sausten sie an uns vorbei.

Es kam noch bizarrer: Ein Mann joggte vorüber. Auch er mit Kappe, Sonnenbrille und in seinem Fall überdimensionierten weißen "in"-Kopfhörern. Rechts von ihm die Messfeier. Links von ihm ca. 200 Menschen, auf Bänken sitzend, oder stehend. Er nahm nichts wahr. Schaute nicht links, schaute nicht rechts, hörte nichts, und fort war er.

Und ich denke mir, dass dies eine sehr gute Parabel ist für das tatsächliche Problem unserer Zeit:

Es sind nicht die Menschen, die Gott nicht wahrnehmen wollen, und auch nicht jene, die Gott rundheraus ablehnen. Beide hat es immer gegeben.

Unser Problem sind die vielen Menschen, die Gott nicht wahrnehmen KÖNNEN. Weil sie nicht mehr links und rechts von sich schauen können. Wie mit Scheuklappen gehen, nein rennen! sie durch ihr Leben, lassen sich vereinnahmen von der Schnellstraße vor sich, immer auf der Überholspur, immer unterwegs, angetrieben und getrieben, immer beschäftigt, unter Strom, in Bewegung - alles andere ist die Verliererstraße, wissen sie.

Wirklich?

Und dann?

Wenn die Straße zuende ist?

Was ist dann?

Montag, 5. Juni 2017

Der Sonntagseinkauf und die lustige Doppelmoral

Die Sau des "Lieschen und Otto Müller müssen auch sonntags bei Aldi geizkaufen können!" wird ja in schöner Regelmäßigkeit durch die Dörfer gehetzt. Naja, wers braucht. Bei den heutigen Öffnungszeiten an den 6 Werktagen schwer verständlich.

Ja, ja, ich weiß, jetzt geht gleich wieder das große Jammern und Protestieren los - die armen Familien, die nur sonntags Zeit haben, mal gemeinsam und in Ruhe einkaufen zu gehen... die Schichtarbeiter... die... Mensch, dann heult doch! Wenn euch für den Sonntag nichts besseres einfällt, als euch durch die Läden zu schieben, dann ist euch eh nicht zu helfen. Mein Mitleid habt ihr, also macht euch nicht nass.

Lustig finde ich aber folgende Argumentation:

Da weist jemand in der Debatte auf die vielen Verkäufer (ja, und auch die -innen) hin, die bei einer generellen Sonntagsöffnung nun tatsächlich keine Zeit mehr mit ihrer Familie verbringen könnten - denn sie hätten zwar an einem anderen Tag frei, aber was nütze das, solange Ehepartner und Kinder nun mal weiter ihren freien Tag am Sonntag hätten.

Als Antwort kam ein
"Die wussten aber doch, worauf sie sich bei ihrer Berufswahl einließen!"
Lassen wir jetzt mal die hier lässig unter den Tisch geschleuderte Tatsache weg, dass ein Verkäuferx in Deutschland bei der Berufswahl eben NICHT davon ausgehen musste, eines Tages mit ständiger Sonntagsarbeit konfrontiert zu werden, dann haben wir hier das genaue Pendant zu einer ganz anderen Situation:

Jemand äußert sein/ihr Mitleid mit den armen Pfarrern der katholischen Kirche, die aufgrund des Zölibats zur Ehelosigkeit verdammt sind.

Und darauf erhält er/sie zur Antwort:
"Die wussten aber doch, worauf sie sich bei ihrer Berufswahl einließen!"
Die Ironie an der Geschichte ist: 

Es sind nun genau jene, die eben noch unserer Verkäuferin mitleidslos und auf den eigenen Vorteil bedacht ihre Berufswahl als "selber Schuld" vorgehalten hatten, die nun empört aufschreien und losfaseln von "Kirche muss aus ihren Bahnen brechen!", "überholte Traditionen", "das konnte doch keiner ahnen, "dem Zeitgeist folgen" usw. usw. usw.

Es ist eine Doppelmoral der Tolerantissima, die einfach nur zum Lachen ist.

Sonntag, 4. Juni 2017

Lachen und Mitleid als Antwort auf das Böse

Das ist ein seltsamer Titel für einen Blogbeitrag, ich weiß. Und er ist gar nicht so leicht zu erklären. Ich will es trotzdem versuchen.

Ein erneuter Terroranschlag am gestrigen Abend. Wieder Tote, wieder Schwerverletzte, wieder viele traumatisierte Menschen.

Und trotzdem habe ich heute gelacht. Nicht über die Geschehnisse in London, das ist klar. Aber über viele andere kleine Dinge, die mir heute begegnet sind, die ich gesehen, gelesen und gehört habe.

Das hat nichts mit dem so oft beschworenen "Wir machen weiter wie bisher" zu tun, oder wie die Briten sagen würden: "Keep calm, and carry on."

Es ist auch nicht das bekannte Pfeifen im Walde, um die eigene Angst zu übertönen.

Der Mensch lacht aus Freude am Leben.

Ja, ich weiß: Das Böse lacht auch. Aber es ist ein Lachen der Häme, der Schadenfreude, und vielleicht sogar darüber, gerade "erfolgreich" Unschuldige getötet zu haben. Und damit ist es in Wirklichkeit nur eine Perversion des wahren - menschlichen - Lachens.

Denn dieses Lachen wird geboren aus unserer Lebensfreude, und die wiederum stammt aus der Hoffnung, die uns sagt, dass das Böse nicht das letzte Wort haben wird.

Mit dieser Freude und Hoffnung aber können wir dem Bösen ins Gesicht lachen. Gegen unser Lachen ist es eine armselige, stinkende Kloake furzende Widerwärtigkeit.

Und das Mitleid?

Menschen, die sich dieser Widerwärtigkeit verschrieben haben, verdienen mein Mitleid. Ich hasse ihre Taten, lieber Himmel, ja: Ich hasse das Leid, den Tod und die Verfolgung, die sie über die Menschen bringen. Aber sie selber? Warum sollte ich diese leeren Hüllen hassen? Warum sollte ich Menschen hassen, die ohne Liebe sind, ohne Freude, ohne Hoffnung - nur angefüllt mit stinkendem Hass und einem Irrglauben an die eigene "Gerechtigkeit"? Da ist nichts übrig, das ich hassen könnte.

Wer nur noch Hass in sich trägt, ist schon tot.

Wir anderen aber, wir werden lachen. Heute. Morgen. Immer.

Wie steht es mit euch? Heute schon gelacht?

Dienstag, 23. Mai 2017

Manchester



Kein Rant, keine Wutrede.
Nur ein paar Worte und Gedanken, ganz persönlich.

Ich bin nicht wütend auf die Attentäter. Ihre Tat entsetzt mich, und sie macht mich verständnislos. Wie kann ein Mensch so hassen und jede Menschlichkeit aufgeben, wehrlose Kinder und Jugendliche brutal zu töten? Wer mit einem solchen Hass Unschuldige zu töten vermag, der hat seine Strafe schon bekommen.

Das heißt nicht, dass ich mir nicht wünsche, dass man alle Helfer und Mitverschwörer fassen möge. Aber bei diesem Wunsch geht es eher darum, die Welt anschließend ein bisschen sicherer zu wissen.

Machen wir auch nicht den Fehler, uns lustig zu machen über entzündete Kerzen, Flaggen auf Halbmast, betroffene öffentliche Statements von Politikern, und allem, was wir im Internet gerne als "Betroffenheitskultur" brandmarken.

Ja, all dies sind hilflose Gesten und Worte. Aber sie sind eine absolut menschliche Reaktion auf Taten wahnwitziger Gewalt, die unseren gesunden Menschenverstand übersteigen. Erst, wenn all diese zutiefst menschlichen Erstreaktionen nicht mehr erfolgen, werden wir ahnen können, was es heißt, abgestumpft zu sein gegen das Böse, das uns entgegenschlägt. Dann werden wir zu verstehen beginnen, wie es sich anfühlt: Die eigene Menschlichkeit zu verlieren.

Ich trauere um die Toten.
Ich trauere mit den Hinterbliebenden.
Ich trauere über den Hass in dieser Welt, der Menschen zu Bestien macht.

Montag, 22. Mai 2017

Das große Jammern einer Kommunionmutter

Wenn eine FAZ-Redakteurin Kommunionmutter wird, dann wird sie darüber schreiben:

(Nachzulesen HIER )

Genauer gesag wird sie das gleiche tun, was das Gros der Kommunionmütter tut, nur eloquenter und mit einer größeren Verbreitung:

Sie wird jammern.

Und schlimmer noch: Sie wird die Fehler im "System" bei allen suchen (und finden), außer bei sich selber.

Schauen wir uns das doch einmal etwas genauer an:

Der autoritäre Pfarrer

Dass der Pfarrer der Gemeinde schon beim ersten Infoabend sehr autoritär daherkommt - geschenkt. Das mag stimmen, oder auch nicht, eine solche Einschätzung ist Ansichtssache. Interessanter finde ich die Aussage unserer Kommunionmutter (im Folgenden der Einfachheit halber mit KoMu abgekürzt):
"Autoritär kündigt er zwölf Pflichttermine an, darunter das verbindliche Beichtgespräch und vorher jeweils den Gottesdienst. Es herrsche Anwesenheitspflicht, sonst werde das Kind nicht zur Erstkommunion zugelassen!"
Autoritär! Nein, autoritär darf ein Pfarrer natürlich nicht sein; wo kämen wir denn da hin! Und dann verordnet er auch noch "Pflichttermine" und "Anwesenheitspflicht".

Hm.... vielleicht sollte jemand unserer KoMu erklären, wie viele Kinder ohne solche "Pflichten" zu ihrer Erstkommunion erscheinen würden und vorher nie die Kirche von innen gesehen hätten.

Wir erfahren, wie die armen Eltern ganz klein wurden auf ihren Pfarrsaalstühlen, ob solch klerikaler Autoritätsausübung. Fast sieht man es bildlich vor sich: Die Mamas und Papas, die sich zitternd und bebend im autoritären Kanonendonner der Pfarrerstimme unter den Tischen verkriechen.

Sind das die gleichen Eltern, vor deren Besuchen heute schon Grundschullehrer Angstzustände bekommen, weil sie von diesen beschimpft, bedroht und mit Klageschriften überzogen werden, wenn der Sohn oder die Tochter eine wohlverdiente "5" erhalten hat?

Sei's drum.

"katholisch sozialisiert"

Von sich selber sagt unsere KoMu, sie sei "katholisch sozialisiert". Sie glaubt an Gott, aber nicht so sehr an die Kirche. Und ihr Mann hält als "bekennder Agnostiker" Gott ja immerhin noch für möglich. Der Sohn soll sich in beiderseitigem Einverständnis, wegen der bewegten politischen Zeiten,  der Orientierung, und  unserer christlichen Kultur, jedenfalls mit der Religion auseinandersetzen.

Mit Religion auseinandersetzen....

Naja, kann man so machen...

Aber keiner macht es recht. Jedenfalls nicht in den Augen unserer KoMu.

Die dumme Erzieherin

Die "Bibel-Viertelstündchen" der Erzieherin im Kindergarten machten nicht etwa einen frommen Katholiken aus dem Sohn, wie die dumme Erzieherin wohl glaubte, sondern weckten nur dessen "kindliche Faszination an grenzwertigen Gruselthemen".

Lustigerweise hörte ich erst gestern die Geschichte eines Mannes über seine Kinderbibel, die er sich genau deshalb ausgesucht hatte, weil sie nicht den üblichen süßlichen Kinderbibelkitsch anbot, sondern in ihren Illustrationen seine "kindliche Faszination an grenzwertigen Gruselthemen" hervorrief. Oder in einfachen Worten: Die Bibel war einfach cool! Dieser Mann ist heute übrigens gläubiger Christ.

Gottesdienste ohne Lametta

Nächster Klagepunkt sind die Gottesdienste. Der Pfarrer spricht mit osteuropäischem Akzent. Seine Messe ist feierlich, aber Tiefgang hätten seine Predigten selten.

Ach je. Mehr Tiefgang. Und früher war mehr Lametta, gell?

Ok, sachlich bleiben. *amRiemenreiß* Also einmal sachlich gefragt: Kann es sein, dass eine Predigt, der eine FAZ-Redakteurin "Tiefgang" zugestehen würde, für das restliche Kirchenvolk weitestgehend unverständlich bliebe?

Aber gut - gehen wir einfach mal davon aus, dass es stimmt: Der Pfarrer versteht es nicht, die Kinder, oder vielleicht sogar die ganze Gemeinde, zu "packen". Seine Gottesdienste und Messen sind nicht dazu angetan, die Kinder für die Kirche zu gewinnen. Sagen wir also einfach mal: Isso.

Die Zumutung

Aber nun wird es spannend: Unsere KoMu schreibt, Freunde hätten andernorts mehr Glück und würden von "sympatischen Pfarrern" und "kindgerechten Predigten" erzählen. "Pech gehabt", sagt man ihr, in Bezug auf ihren eigenen Pfarrer. Aber sie erfährt auch von der "charismatischen Religionslehrerin" (ach, nee, ich frag' jetzt besser nicht), dass es einen Pfarrer "B" gäbe, dessen großartige Kindergottesdienste man unbedingt empfehlen könne.
"Der predigt leider eine halbe Autostunde von uns entfernt."

Ja, das ist jetzt blöd. Klar, unsere KoMu möchte unbedingt, dass ihr Sohn sich mit Religion auseinandersetzt, so von wegen der Kultur und den politischen Zeiten und überhaupt, und er soll auch gerne zur Kirche gehen wollen. Aber dafür jetzt gleich eine ganze halbe Stunde Autofahrt? Das geht natürlich zu weit. Solche Strapazen kann man als Christ nicht auf sich nehmen müssen, nur, um einen guten Gottesdienst mitfeiern zu können.

Kann man nicht?

Och, ich kenne da einige, die können das sehr wohl.
Früher bestand die Zumutung des Christentums darin, das Kreuz auf sich zu nehmen. Heute sind wir schon mit einer halben Stunden Autofahrt überfordert.

Legosteine - oder: Wie man es richtig macht


Sorge bereitet mir auch, wie in der Vorstellung unserer KoMu denn ein "großartiger Kindergottesdienst" aussehen mag. Wenn ich bei ihr von Legosteinen lese, die zum Altar gebracht werden, von Engelmädchen beim Krippenspiel, von "wir sind und bauen Kirche" (da überfällt mich sogleich eine gänsehautproduzierende Reminiszenz an eine bestimmte *hüstel* christliche Gruppierung), so lässt mich das allerdings nichts Gutes ahnen.

Kann man noch weitermachen? Ja, da gibt es noch so einiges zu bemerken, am Artikel unserer KoMu:

"Du hast doch keinen Schimmer!"

Der Kommunionunterricht im Pfarrheim taugt natürlich nichts. Die Themen seien fern der Lebenswelt der Kinder. Dass dem so ist, daran haben die Eltern natürlich keinerlei Anteil. Als der Sohn einmal in einer Hausaufgabe den Sakramenten Symbole zuordnen musste und das locker hinbekam, lesen wir die erstaunte Frage der KoMu:
„Wie das? Du hast doch keinen Schimmer?“
(Sohnemann hatte sich das Tafelbild im Unterricht eingeprägt.)
Welches Zeugnis sie sich selbst als "katholisch sozialisierte" KoMu mit dieser Frage ausstellt, scheint ihr nicht klar zu sein. Ihr Sohn, der bald zur Erstkommunion gehen wird, hat keinen Schimmer von den Sakramenten.

Aber natürlich ist das nur die Schuld des schlechten Kommunionunterrichts.

Nicht falsch verstehen - die anschließend geschilderten Versuche unserer KoMu, ihr Kind, wie sie es ausdrückt, "religiös zu begeistern", muss man anerkennen. Das ist mehr, sehr viel mehr, als von den meisten anderen KoMus zu erwarten sein dürfte.

Man meldete sich sogar zu einer Kirchenführung für die ganze Familie an. Keine Frage, diese Führung ist anscheinend wirklich suboptimal verlaufen, mit einem überforderten Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, der es wohl nicht wirklich verstand, auf die Kinder einzugehen. Allerdings sollte man seiner Erklärung, der Turm sei renovierungsbedürftig, doch bitte Glauben schenken - ich möchte den Aufschrei hören, hätte sich ein Kind beim Aufstieg verletzt.

"Wie weltfremd die Kirche ist..."

Und doch - unsere KoMu hat doch allerlei bemerkt, das in der Kirche für die Kinder anziehend gewesen wäre, schön und geheimnisvoll, oder eben auch imposant. Weshalb hat sie gewartet, bis ihr Sohn sie zu Hause in ein Gespräch verwickelte? Als Redakteurin der FAZ traue ich ihr genügend Selbstvertrauen zu, den Ausführungen des PGR-Vorsitzenden mit gezielten Fragen und Hinweisen eine andere Richtung zu geben. Stattdessen hat sie innerlich wohl schon am entsprechenden Teil ihres Artikels geschrieben.

Und ja, die Anekdote zu ihrem Patensohn ist ein starkes Stück. Aber ein solches Kabinettstücken herzunehmen, um anzuzeigen "Wie weltfremd die Kirche ist..." - das ist ungefähr so, als würde ich mit einem Foto Donald Trumps in der Hand beweisen wollen, wie unmöglich alle Amis frisiert sind.

Das Schweigen der Mutter

Zum Ende schreibt unsere KoMu:
"Mein Sohn macht Striche im Kalender und sagt: „Gott sei Dank ist bald alles vorbei.“ Nein, mein Sohn, würde ich ihm gerne sagen: Eigentlich fängt dann etwas Neues an, denn im Glauben steckt so viel Erbauliches, Tröstliches, weil die frohe Botschaft froh machen kann, durch Krisen leitet und den Abschied geliebter Menschen erträglicher macht."
Sie WÜRDE ihm gerne sagen...? Aber warum HAT sie es ihm nicht längst gesagt? Und vorgelebt?

Und weshalb sind eigentlich immer nur die anderen Schuld?

Ich nehme ihn ihr nicht ab, ihren Artikel des Jammer(n)s.

Sonntag, 21. Mai 2017

Maria und das Josefkind

Ein Pfarrer erzählte heute von einen Schulgottesdienst in der letzten Woche. Da wir im Marienmonat Mai stehen, war die Marienstatue der Kirche in den Vordergrund gerückt und mit Blumen und Kerzen geschmückt worden. Er wollte nicht nur rasch einen Gottesdienst feiern, sondern den Kindern den Marienmonat nahebringen.

Er fragte sie, ob ihnen denn auffiele, was heute in der Kirche anders sei als sonst.
"Da sind mehr Sachen.", kam es von einigen Grundschülern.
Das wollte er aber genauer wissen und fragte, was denn das für Sachen seien.
"Kerzen! Blumen!", riefen sie alle. 
Ja, ob denn das alles sei, fragte der Pfarrer. Und da sagte ein Mädchen klar und überzeugt:
"Und da sind Maria und Josef."
Da war er nun verwirrt, unser Pfarrer, und er fragte das Mädchen, wo es denn da den Josef gesehen habe.

Da lief das Mädchen nach vorne, zeigte auf das Jesuskind in Marias Armen und sagte
"Na, da!"
Nein, es hat niemand gelacht bei dieser Geschichte. Wie der Pfarrer richtig sagte:
"Das Kind kann nichts dafür. Aber wie ist es nur möglich, dass wir unsere Kinder so aufwachsen lassen, dass sie nicht einmal mehr das Jesuskind in Marias Armen erkennen?"
 Von Maria hatte dieses Mädchen - wie so viele andere auch - wohl nur in verkitschten und rührseligen Geschichten zur Weihnachtszeit gehört: Die schwangere Maria und ihr Mann Josef, die zur Hauptsaison kein Hotelzimmer mehr finden und deshalb in der Scheune schlafen müssen. Oder so ähnlich.

Später sprach der Pfarrer noch das Fest Christi Himmelfahrt an, das wir am kommenden Donnerstag feiern. Er sagte, in diesem Jahr lautete der Kalendereintrag zum ersten Mal nicht mehr Christi Himmelfahrt. Stattdessen stünde da "Brückentag". Er fragte in die voll besetzte Kirche hinein:
"Na, Hand aufs Herz: Wer von euch wird das lange Wochenende zum Wegfahren nutzen, statt den Tag hier  mit uns festlich zu begehen? Wird es sich überhaupt lohnen, die Kirche an diesem Tag zu öffnen?"
 War das der Inhalt seiner heutigen Predigt gewesen? Nein. Er hatte vom heutigen Tagesevangelium gesprochen, und auch von Augustinus und seinem berühmten Satz
"Liebe, und dann tue, was du willst."
 Ja, ja, Augustins. Den wird jetzt mancher, der hier mitliest, wieder mit Freuden falsch verstehen:

Da seht ihr's! Ihr heute mit euren Regeln und Gesetzen aus dem Mittelalter! Die Kirchenväter wussten es besser: Wir alle haben die Freiheit, nach unserem eigenen Gusto zu leben und glücklich zu werden - zu tun, was immer wir wollen.

Äh... ja. Nur habt ihr dabei die Sache mit der Liebe gerade völlig vergessen:

LIEBE, und DANN tue, was du willst.

Was heißt das?

Ganz einfach:

ZUERST müsst ihr folgendes tun:

- LIEBT Gott
- LIEBT euch selbst
- LIEBT eure Nächsten
- LIEBT eure Feinde

DANN - und auch wirklich erst DANN:

TUT, was ihr wollt.

Nur, wenn er die Liebe hat, hat der Mensch auch die wahre Freiheit, die ihn erst zum Menschen macht. 

Um noch einmal zu unserem Pfarrer zurückzukehren - dass der Mann bei allem trotzigen Optimismus einen enormen Frust "schiebt", war erkennbar. Und wie denn auch nicht?

Unser Abendland wollen sie retten, die vielen da draußen, die doch einen Bogen um die Sonntagsmessen machen, wie der Teufel ums Weihwasser.

Den Islamismus wollen sie zurückdrängen in unserem Land, die Politiker und Richter, doch es fällt ihnen besseres nicht ein, als weltweit freiwillig getragene Kreuze und Kippas in einen Topf zu werfen mit dem von vielen Frauen nur unter Zwang getragenen Kopftuch oder Chador, und unter dem Mantel der "religiösen Neutralität" ein Generalvebot zu erteilen.

Ihr Kinder vor dem Mumpitz schützen, das wollen jene Eltern, die mit Erfolg die Abschaffung des Religionsunterrichts an den Schulen weiter vorantreiben. Die Kinder sollen in diesen Stunden lieber etwas "Gescheites" lernen.

Man muss sie bewundern, die Pfarrer und Priester im heutigen Deutschland. Dass sie in einem derartigen Klima von Apathie, Gleichgültigkeit und Verachtung nicht längst das Handtuch geworfen haben.

Wahrscheinlich hat es irgendwas mit Liebe zu tun.